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Neee, watn Tach! Gestern war er da: ein Meilenstein! Meilenstein- neue Ära - au man... ich sollte wirklich wieder öfter etwas schreiben, damit ich nicht immer irgendwelche epischen Begriffe in den Ring werfen muss.

Der letzte Versuch einen Blogeintrag zu schreiben war am 01. Februar 2020. Und im Oktober hatte ich dann angefangen weiter zu schreiben. Warum und wieso ich diesen Blogeintrag niemals fertig gestellt habe? Ich war frustriert. Frustriert weil es nicht vorwärts ging. Die Nerven machten Sport zur Qual und jeder Ansatz zu trainieren, wurde im Keim erstickt. Dann kam da noch Corona, die Absage aller Events... perfekte Kombi für Ausreden.

 Laber nich.... werden jetzt einige sagen. Was verdammt ist denn jetzt der Meilenstein? Du bist gestern 26km um die Panzerstraße gefahren. Und auch nicht besonders schnell.

Yupp... berechtigter Einwand. Und trotzdem war eben genau dieses der Meilenstein. Am Vorabend habe ich etwas getan, was für die meisten vermutlich nix besonderes ist: Ich habe an meinem Vorbau gearbeitet. Ich habe ihn statt nach oben gerichtet wieder nach unten gedreht. Und war gestern in der Lage in dieser Position normal zu fahren. Was sich jetzt nach nichts wirklich spannendem anhört, hat MIR aber fast die Tränen in die Augen getrieben.

History Channel 

schaftverlängerungUm zu verstehen, was es bedeutet, muss man den Weg betrachten den ich gegangen bin. Nach meiner zweiten OP, die den Wirbel ersetzt hat der trotz aller Hoffnung nicht heilen wollte (weil er auch wirklich komplett Schrott war), habe ich im Dezember 2018 angefangen auf der Rolle zu fahren. Mit einem Alurahmen, der kürzer ist als mein Rennrad. Und dort hatte ich eine Schaftverlängerung und einen verstellbaren Vorbau dran gebaut, damit ich überhaupt irgendwie an den Lenker dran komme. Und selbst dieses Setup war nur schwer zu händeln. 

Irgendwann im Februar 2019 kam ich dann endlich irgendwie an diesen Lenker dran und bat Bikefitter und Freund Holger Röthig mal drüber zu schauen was man mit dem schrottigen Körper so anfangen kann. Im Laufe des Jahres 2019 entwickelte sich das ganze dahingehend, dass die Verlängerung raus kam und ich auf dem kurzen Rad wieder einen normalen Vorbau nach oben gedreht fahren konnte. Mit Spacer und Lenker hochgedreht, aber es tat sich was. Zumindest was die Haltung anging, der Rest war immer noch mehr als beschwerlich.

Im Jahr 2020 durfte ich dann dank Argon 18 und Holger Röthigs Cycle Cafe Velbert ein wunderbares Krypton Pro fahren. Dieses Endurance Rad wurde von Holger Röthig speziell auf mich eingemessen und mit kurzem Vorbau versehen. Trotzdem fiel es mir schwer, wie vor meinem Unfall an den Bremsgriffen zu fahren. Immer wieder musste ich zurück auf die Querstange des Lenkers. Oder wie Holger Röthig meinte: "Du bist aber aktuell nicht Aero!" Wo er Recht hat...

Im Laufe des Jahres fiel mir die normale Position auf dieser doch eher entspannten Geometrie etwas leichter und ich war schon etwas skeptisch, als dieses Rad dann zum Saisonende wieder zurück ging. Denn zuhause stand noch das alte Teamrad. Ein Cervelo S - wenn man von Aerorad spricht, könnte man auch Cervelo S sagen. Also nix gemütliche Endurance Geometrie.

Dieses Rad war so aufgebaut worden wie es sich für ein Aerorad gehört... kein mm Spacer passt mehr unter den Lenker, Position tief und schnell. Also war die erste Aktion den Vorbau umzudrehen, er somit nach oben zeigte. Und dann den Lenker hochdrehen, so dass ich besser an die Schalt-Bremshebel dran kam. Klappte nur so leidlich, immer wieder zwang mich mein Körper mich aufrecht hinzusetzen. So ging es in den Winter 20/21.

Zurück in die Zukunft

cervelo winkelUnd nun ist es passiert. Ich habe den Vorbau nach unten gedreht und den Lenker so eingestellt, dass die Schalt-Bremshebel gerade stehen. So wie es sich gehört. Die letzten Touren und das gute Körpergefühl haben mich dazu motiviert. Die Probleme mit den Nerven haben sich deutlich verbessert und die Muskelverhärtungen sind deutlich weniger geworden. trotzdem war ich skeptisch, als ich dann gestern Nachmittag für eine kleine Runde "panzern" aufbrach. Zu Unrecht wie sich rausstellen sollte.

Ja es geht, ich kann wieder normal fahren. Wenn man das so bezeichnen kann. Denn nicht umsonst schreibe ich von einem Beginn. Weil der Weg noch lang ist. Genauso wie sich mein Körper an die Positionen im Laufe der letzten Jahre wieder gewöhnen musste, genauso wird auch die nächste Zeit nicht immer einfach und schmerzfrei sein, Auch das war direkt nach der Tour klar. Und ja, in dieser tieferen Position trete ich mir selber in die Plauze, die ich mir selber angelegt habe. Die auch langsam weniger wird, aber eben noch da ist. Genau wie die Baumuskeln, die teilweise eben auch noch dysfunktional sind... wobei der Zustand "auch noch" eben auch dauerhaft sein kann.

Aber die Entwicklung stimmt mich wieder positiv. Zuversicht wo oft Frust war. Vorwärts wo Stagnation war. Vielleicht zurück auf den Stand vor dem Unfall oder noch darüber hinaus. Vielleicht doch nochmal einen Triathlon. Wer weiß das schon.

Klar ist nur: Vieles ist möglich, wenn man nicht aufgibt. Pausen sind ok, aber bleib niemals endgültig liegen.

So, und abschließen für heute das Versprechen, dass es hier bald viele Radsportthemen und Erlebnisse rund um den schönsten Sport der Welt gibt! Ja, man könnte es auch Drohung nennen.